Matthias Horx  Theorie der Trend- und Zukunftsforschung

Theorie der integrierten Prognostik

Interessieren Sie sich für Hintergründe, Philosophien und
vertiefte Methodik-Probleme der prognostischen
Wissenschaften?

Diese Texte sind im Rahmen meines Prognostik-Seminars
an der Zeppelin-Universität entstanden.
Sie sind "work in progress" und werden ständig
ergänzt und weitergeschrieben.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ansätze der Integrierten Prognostik finden Sie hier:
Integrierte Systemische Prognostik.

Ich freue mich über Kommentare, Ergänzungen, Kritik, Anregungen und Literaturhinweise:
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2.01  Unterschiede zwischen Trend- und Zukunftsforschung

Innerhalb der prognostischen Wissenschaft existieren zwei unterschiedliche Disziplinen, die miteinander verknüpft sind (und aufeinander aufbauen), jedoch sorgfältig unterschieden werden müssen:

Trendforschung

Definieren wir als die Erkennung, Darstellung und Diagnostik bestimmter und spezifischer Wandlungs-Prozesse. Trends können dissipativ dargestellt werden, also in Abtrennung von (Meta-)Einflussfaktoren in einem bestimmten beobachteten Teilsegment.

Die diagnostizierten Trends können sich auf Teilsysteme beziehen und werden damit zu „Spezialtrends” (Börse, Konsum, Mode, Marketing). Der kognitive Horizont ist „Markt- und handlungsorientiert”, also auf die nächsten 5 bis 10 Jahre ausgerichtet. Trends sind grundsätzlich Gegenwartsphänomene, sie können also entgegen eines verbreiteten Irrtums nicht „prognostiziert” werden.

What I do is pattern recognition. I try to recognize the pattern before anyone else does.

(Cayce Pollard, Protagonistin von William Gibsons Roman „Pattern Recognition”)

Zukunftsforschung/Trendforschung


Zukunftsforschung

Zukunftsforschung definieren wir als die Methode der PROJEKTION definierter Trends auf längere Zeiträume im mit dem Ziel von ERGEBNIS-ZUSTÄNDEN. Hierbei geht es um generelle und großflächige, also vernetzte Wandlungsprozesse und die dadurch entstehenden Zustände in Gesellschaft, Umwelt, Organisationen etc. Der Horizont kann sich über mehrere 100 Jahre in die Zukunft erstrecken.

Beiden Ansätzen ist die Idee der Reflexivität immanent. Es geht um die rück-bezügliche Erkenntnisgewinnung: Bei der Trendforschung wird das „Werdende” in seinem Einfluss untersucht, in der Zukunftsforschung entstehen Orientierungs-Prozesse, in denen man vom MÖGLICHEN auf das WÜNSCHENSWERTE rückschließt. Wie Norbert Bolz es ausdrückt:

Wir können Prognosen als SELBSTBEOBACHTUNGEN der Gesellschaft verstehen, durch die sie sich selbst verändert. Moderne Gesellschaften sind dadurch charakterisiert, dass sie eine „metapreference in favour of challenging the prevailing preferences” haben.

Moderne Gesellschaften evaluieren sich selbst und entwickeln dabei die Metapräferenz, andere Präferenzen haben zu wollen. SIE EVALUIEREN DURCH SELBSTKRITIK.
(Norbert Bolz, Blindflug mit Zuschauer)

Prognostik

Im Gegensatz zur Trendforschung, die eher als Instrument für kurzfristige Prozesse in Marketing, Produkt- und Innovationsentwicklung dient, hat Zukunftsforschung immer einen strategischen Impetus. Sie versucht, Handlungssicherheit und/oder Adaptivität in längerfristigen Perspektiven herzustellen.

Ihre Anwendungen geziehen sich deshalb auf politische Entscheidungen mit langanhaltenden Auswirkungen. Ihre Wurzeln liegen besonders im Rahmen langfristiger militärischer Strategieentscheidungen (im Kalten Krieg der 60er und 70er Jahre).

Trend- und Zukunftsforschung haben eine deutlich voneinander abgegrenzte Grammatik, eigene methodische Ansätze und andere Zielgruppen.

Durch die Verwechslung beider Ansätze entstehen große Missverständnisse und Enttäuschungen. Dennoch möchten wir sie stets im KONTEXT behandeln; als ergänzende und miteinander verwandte (aufeinander angewiesene) Disziplinen.

Im Weiteren werden wir, wenn wir von BEIDEN interagierenden Disziplinen sprechen, den zusammenfassenden Begriff PROGNOSTIK verwenden.


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© 2014 Matthias Horx / Zukunftsinstitut Horx GmbH, Theorie der Trend- und Zukunftsforschung