Matthias Horx  Theorie der Trend- und Zukunftsforschung

Theorie der integrierten Prognostik

Interessieren Sie sich für Hintergründe, Philosophien und
vertiefte Methodik-Probleme der prognostischen
Wissenschaften?

Diese Texte sind im Rahmen meines Prognostik-Seminars
an der Zeppelin-Universität entstanden.
Sie sind "work in progress" und werden ständig
ergänzt und weitergeschrieben.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ansätze der Integrierten Prognostik finden Sie hier:
Integrierte Systemische Prognostik.

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3.06  Kohärente soziodynamische Systeme

In soziokulturellen Systemen interagieren scheinbar „unberechenbare” Entitäten (= Subjekte mit hoher Verhaltens-Varianz) nach komplexen Regeln. Viele soziale Systeme sind jedoch mithilfe der Spieltheorie oder anderer Zugänge (Sozio-Ökonomik, Verhaltensökonomik, Kognitionspsychologie, etc.) recht gut prognostizierbar.

Beispiel 1: Bevölkerungsentwicklung


Die Geburtenraten einer menschlichen Population bewegen sich nach sehr langfristigen Trends. Die Eltern der Zukunft werden 20 bis 30 Jahre vor ihrer Fertilitätsphase geboren.

Die Kinder-Anzahl richtet sich nach klar erkennbaren Faktoren, die in den verschiedenen Kulturkreisen und -formen etwas variieren, aber auch viele Konstanten aufweisen.

Der „demographische Sprung” verläuft in allen Ländern sehr ähnlich: Ab einer gewissen Wohlstandsentwicklung verringert sich die Kinderzahl. Dabei läuft die Sterberate, besonders die Kindersterblichkeit, voraus.

Mit der Weiterentwicklung der sozio-kulturellen Verhältnisse STEIGT die Geburtenrate normaler-weise wieder an, wenn sie zuvor unter die Reproduktionsrate gefallen ist.
Dies lässt sich am besten mit der Korrelation HDI / Geburtenrate darstellen.

Der HDI misst neben dem materiellen Wohlstand, dem Gesundheitszustand auch die Qualität der staatlichen Kinderbetreuung und die „Emanzipation” (Zugang der Frauen zum Arbeitsmarkt etc.).

In fast allen hochentwickelten Ländern ist die Geburtenrate zunächst sehr tief gefallen, um sich nach Reformen wieder nach oben zu bewegen.

Auch für die WELTBEVÖLKERUNG haben wir heute sehr valide Modelle. Durch die weitaus bessere Datenlage (siehe z.B. GAPMINDER) kennen wir heute die genaue Bevölkerungsentwicklung in fast allen Ländern der Erde.

Deshalb werden die Prognosen für die Welt-Bevölkerungsentwicklung immer genauer – und nähern sich der „mittleren Probabilitätslinie” an (Schwarze Linie).



Beispiel 2: Eheprognose

Der amerikanische Psychologe John M. Gottman hat ein System entwickelt, mit dem sich eine 90-prozentig treffsichere Voraussage über die Zukunfts-Wahrscheinlichkeit von Ehen treffen lässt
(www.gottman.com).

(Siehe auch: John M. Gottman, Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe, Ullstein, München/Berlin, 2000)
(Siehe auch: Gary S. Becker, Der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens, J.C.B.Mohr, Tübingen, 1993)

Als Grund-Technik nimmt Gottman ein 15-minütiges Gespräch zwischen den Ehepartnern aus verschiedenen Kamera-Winkeln auf.

Er analysiert die darin enthaltene Kommunikationsstruktur auf Kriterien wie:

  • Unterbrechung (disruption)
  • Zynismus (cynicism)
  • Abwertung / Verachtung
  • Vernebelung / Rückzug

Daraus lässt sich eine verlässliche Prognose für die Haltbarkeit einer Ehe in fünf oder zehn Jahren erstellen. Und zwar nach der nebenstehenden Formel.


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